Forschungsergebnisse

Hund – Hund

Hunde sind untereinander intensiver verbunden als Hund und Mensch. Die

Verständigung unter Artgenossen ist grundsätzlich einfacher als die Verständigung

zwischen verschiedenen Arten. (In unserem Fall zwischen Hund und Mensch).

Das erste soziale Lernen unter Hunden geschieht bereits im frühesten Welpenalter

(2 1/2 bis zu 8 Wochen).

Die Feinabstimmung der sozialen Integration mit dem Artgenossen erfolgt im

Allgemeinen bis etwa zum 5. Lebensmonat. Sie kann nur dann gelernt werden,

wenn erwachsene Hunde für die Welpen zur Verfügung stehen und die Grenzen

setzen, die für den Umgang in einer Gemeinschaft unerlässlich sind. Welpen ohne

Führung von erwachsenen Hunden haben keine Möglichkeit, sich im sozialen

Bereich auf den „Anderen“ abzustimmen. Diese Tiere bleiben „verkindlicht“ und

entarten im sozialen Verhalten.

Mit dem Eintritt in die Geschlechtsreife, die auf Grund der Domestikation des

Wolfes bei unseren Haushunden altersmäßig sehr unterschiedlich auftreten kann,

werden die sozialen Gesetze noch einmal wiederholt und gefestigt, so dass sich

soziale Sicherheit entwickelt, verbunden mit einem hohen Maß an Souveränität

dem Anderen gegenüber.

Die soziale Ordnung ist nach der Geschlechtsreife erlernt und geregelt. Die

Ordnung wird nicht mehr ernsthaft in Frage gestellt, so dass die Hunde

untereinander friedlich und im Wesentlichen ohne gereizte Anspannung

miteinander leben können.

 

Hund – Mensch

Wie unter Hunden muss für das Zusammenleben dieser beiden unterschiedlichen

Arten, Hund und Mensch, ebenfalls eine eindeutige, soziale Feinabstimmung

gelernt werden. Diese kann sich erst dann entwickeln, wenn der Welpe aus seinem

hundlichen Familienverband herausgenommen wird und sich als Einzeltier mit dem

Menschen arrangieren muss. Solange der Welpe mit Seinesgleichen zusammen

leben kann, wird der Mensch für ihn nur ein nettes, angenehmes „Nebenbei“ sein.

Der Welpe muss im Zusammenleben mit dem Menschen wie unter seinen

Artgenossen die sozialen Regeln in dieser für ihn ungewöhnlichen Gemeinschaft

erlernen. Er wird sozusagen ein zweites Mal sozialisiert. Auch dieser Lernprozess

muss im Alter von ca. vier bis fünf Monaten erfolgt sein. Ist dieser Zeitpunkt

verpasst, wird sich ein Hund nur noch bedingt – aus sozialer Not heraus – an einen

Menschen binden und sich anderen Menschen gegenüber ängstlich und scheu

verhalten.

Damit ist leider noch immer die weit verbreitete Meinung: „Ein Hund darf erst

frühestens im Alter von 5 Monaten, besser erst im Alter von 8 Monaten oder einem

Jahr, im Zusammenleben mit dem Menschen etwas lernen!“ ad absurdum geführt.

 

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für das Zusammenleben von

Mensch und Hund

Ein Hund darf nicht als menschliches Konstrukt in die Gemeinschaft des Menschen

„hinein-dressiert“ werden.

Der Mensch wird für den Hund erst dann ein echter sozialer Partner, wenn es ihm

gelingt, den Hund in die menschliche Gemeinschaft hineinwachsen zu lassen, so

dass er sich wie in einer echten Familiengemeinschaft fühlen kann. Dazu ist es von

hoher Bedeutung, dass sich der Mensch mit jedem Hund in seiner Gemeinschaft

einzeln beschäftigt. Soll der Hund sich mit dem Menschen wie in einer

„Hundefamilie“ fühlen, fallen alle negativen Körpereinwirkungen weg, da in einer

harmonischen, gesunden Hundefamilie nicht gekämpft wird. Es genügen für den

Hund verständliche Drohgesten, die ihn soziale Feinabstsimmung mit dem

Menschen lehren.

Technische Hilfsmittel, im positiven wie im negativen Sinne, sind unnötig und daher

abzulehnen.

Wird ein Hund zu Verhaltensweisen gezwungen z.B. mit menschlicher Körperkraft

über das Rucken am Hals, damit er leinenführig wird, oder über das „Auf-den-

Rücken-Werfen, damit er lernt sich zu „unterwerfen“ oder über hinterlistiges

Schmerzzufügen mit einem oder mehreren Stromschlägen, damit der Hund nicht

mehr jagt und vieles mehr, kann der Mensch vom Hund nicht mehr als kooperativer

Partner akzeptiert werden.

Der Hund wird zum Gefangenen, bzw. zum Sklaven des Menschen degradiert. Er

kann sich nicht wehren. Wehrt er sich doch, dann ist er gefährlich und wird über

den Tod „entsorgt“.

Gudrun Feltmann